Zwei Leben in einer Nacht | Rezension

Es gibt kein Zurück. Es gibt keine Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte. Sobald wir uns einmal dafür entschieden haben, ist es vorbei.

Carolin Wahl

Informationen zum Buch

Titel: Zwei Leben in einer Nacht | Autor: Carolin Wahl | Genre: Jugendbuch | Verlag: Loewe Verlag | Anzahl Seiten: 288 | Erscheinungsdatum: 08.10.2020 | ISBN: 978-3-7432-0746-2 | Preis: 9,95€ (Taschenbuch)

Klappentext

Eine Challenge, eine Nacht, (k)ein Ausweg

Freitag, der 13., Mitternacht. Caspar beobachtet, wie Sams blaues Haar im Wind flattert, als der Zug vorbeirast. Eigentlich weiß er nichts über sie, nur, dass sie beide von Ghost für diese Challenge ausgewählt worden sind. Gemeinsam warten sie auf die erste Nachricht. Die Anweisungen für eine von fünf Aufgaben in dieser Nacht. Ein gefährliches Spiel, das nur ein Ende kennt: ihren Suizid. 

Quelle: https://www.loewe-verlag.de/titel-0-0/zwei_leben_in_einer_nacht-9546/


Wenn ich das Buch mit 3 Worten beschreiben müsste…

intensiv

seriös

authentisch


Meine Meinung

Ihr Lieben, scheinbar bin ich momentan in einer „Jugendbuch-Phase“, denn das Buch, das ich heute mit euch besprechen möchte, stammt erneut aus dem Young-Adult Bereich. Genau so wie „Wenn ich die Augen schließe“ aus der letzten Rezension handelt es sich bei „Zwei Leben in einer Nacht“ um ein Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt und ordentlich unter die Haut geht. Ich habe viel zu dem Buch zu sagen – los gehts!

In „Zwei Leben in einer Nacht“ begleiten wir Sam und Casper, die sich um Mitternacht treffen und gemeinsam an einer Challenge teilnehmen, die mit ihrem Tod enden. Sie haben sich im sogenannten Deathwish Forum angemeldet und müssen nun gemeinsam einige Aufgaben erfüllen, obwohl sie sich eigentlich fremd sind und nichts über ihren Gegenüber wissen. Die letzte Aufgabe wird daraus bestehen, dass sie sich umbringen, um ihr Leben abzuschließen. Genau so wie die beiden Protagonisten, wird auch der Leser förmlich von dieser neuen, eigenartigen Situation überrollt. Abwechselnd wird mal aus Sams, mal aus Caspars Sicht von den letzten Stunden ihres Lebens berichtet – doch nicht nur davon, sondern auch von ihren jeweiligen Leben vor diesem schrecklichen Abend. 

Die Stimmung ist während dieser Nacht sehr atmosphärisch. Carolin Wahl wählt ihre Worte sanft und mit Bedacht. Auch die Handlung ist eher still als laut und doch sehr bedeutsam: Die nächtliche Stimmung gibt der Atmosphäre das besondere Etwas, alles wirkt unendlich, die Zeit vergeht langsamer und Worte wirken klarer und bedeutungsvoller. Ich hatte den Eindruck, die Kälte der Luft zu spüren, die klare, frische Luft einzuatmen und die Sterne am Himmel sehen zu können. Als wäre ich diese Nacht gemeinsam mit Sam und Caspar verbringen. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen und das Leseerlebnis unglaublich intensiv gemacht. „Intensiv“ ist sowieso ein hervorragendes Wort, um das gesamte Buch zu beschreiben. Trotz einer Länge von gerade einmal 280 Seiten ist „Zwei Leben in einer Nacht“ intensiv, emotional und düsterer, als man zunächst glaubt.

Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass mich das Buch richtig in Mitleidenschaft gezogen hat. Deswegen muss ich hier ausdrücklich betonen, dass die Triggerwarnung zu Beginn des Buches echt nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Suizid, Angst und Depressionen sind nur Beispiele für Themen, die innerhalb des Buches aufgegriffen werden. 

Mich hat die Geschichte ziemlich heftig mitgenommen. Sam und Caspar sind zwei Jugendliche, die ich nur für ein paar Stunden ihres Lebens begleitet habe und dennoch habe ich das Gefühl, die beiden richtig gut zu kennen. Obwohl das Buch so dünn ist! Viele ihrer Gedanken konnte ich nachvollziehen, sowohl Sam als auch Caspar waren wir äußerst sympathisch und ich wollte unbedingt ihre Geschichte hören. Schuld daran ist vermutlich unter anderem Carolin Wahls angenehmer,m mit Vergleichen und Bildern gefüllter Schreibstil. Besonders Sam fand ich sehr interessant. Es war mir wichtig, ihre Gedanken zu ergründen und herauszufinden, warum sie und Caspar nicht mehr Leben möchten. Gerade diese Thematik, dass man mehr oder wenig plant, wann man stirbt, wo und auf welche Art und Weise, wird im Buch sehr ernst genommen und seriös behandelt. Von der Endlichkeit des Lebens und den Konsequenzen, die es nach sich zieht, sich für den Selbstmord zu entscheiden, zu lesen, war unangenehm und wichtig zugleich. 

Zu Beginn der Handlung war ich mir ziemlich sicher zu wissen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde – und dennoch habe ich mich getäuscht. Das Ende war zwar exakt so, wie ich es mir gewünscht hatte, doch der Weg dahin war komplett anders und meiner Meinung nach auch besser als der, den ich mir erdacht hatte. Ihr merkt schon, dass ich hier in halben Hieroglyphen schreiben muss, doch anders lässt es sich nicht ausdrücken, ohne euch zu spoilern.

Obwohl „Zwei Leben in einer Nacht“ ein grundsätzlich eher ruhiges Buch ist, baut sich unterschwellig mit jeder neuen Aufgabe, der Caspar und Sam sich stellen müssen, eine gewisse Spannung auf und man fragt sich einfach ständig, was für ein Ende die Geschichte nehmen wird. Sehr gut gefallen hat mir, dass Carolin Wahl es geschafft hat, den Entwicklungsverlauf nicht von Anfang an offensichtlich zu machen. So bleibt es spannend für den Leser und ehe man mit der Spannung klar kommen kann, ist das Buch auch schon zu Ende. Nach dem Lesen hatte ich irgendwie das Gefühl, Sam und Caspar richtig gut zu kennen und die Nacht gemeinsam mit den beiden verbracht zu haben. Es hat sich einfach alles wahnsinnig echt und authentisch angefühlt. Darüber hinaus hat Carolin Wahl die ernsten Themen sehr seriös an den Leser herangeführt: Spätestens nach dem Lesen des Buches muss man all das Gelesene erst einmal sacken lassen und man muss unweigerlich ständig an die beiden Charaktere denken. „Zwei Leben in einer Nacht“ verschwindet nicht so schnell aus meinem Kopf.


Mein Fazit

„Zwei Leben in einer Nacht“ ist ein emotionsgeladenes, tiefgründiges und sehr empfehlenswertes Jugendbuch, das ernste Themen in einer schnellen und intensiven Geschichte zum Ausdruck bringt. Mit Sam und Caspar begleitet man zwei sehr unterschiedliche und dennoch liebenswerte Charaktere während nur einer einzigen Nacht und erlebt dabei eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Obwohl hier von sehr hartem Tobak die Rede ist, auf den man definitiv vorbereitet sein sollte, habe ich das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es nicht nur an Jugendliche Leser weiter!


Meine Bewertung: 4/5 ⭐

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