Niemalswelt | Rezension

Wir waren Schiffbrüchige in einem tosenden Meer. Und sie zwangen mich, ihre Hände loszulassen, damit sie in den Wogen versinken und ertrinken konnten.

Marisha Pessl

Informationen zum Buch

Titel: Niemalswelt | Autor: Marisha Pessl | Genre: Jugendbuch| Verlag: Carlsen Verlag| Anzahl Seiten: 384| Erscheinungsdatum: 22.03.2019 | ISBN:
978-3-551-58400-7 | Preis: 18,00€ (Hardcover)

Klappentext

Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt. Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein – in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist, in jener Nacht, in der er in den Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben …

Quelle: https://www.carlsen.de/hardcover/niemalswelt/101193


Wenn ich das Buch mit 3 Worten beschreiben müsste…

Psychothriller

fesselnd

spannend


Meine Meinung

„Niemalswelt“ habe ich spontan in der Buchhandlung entdeckt und eingetütet, ohne nochmal groß darüber nachzudenken, ob der Klappentext wirklich nach einem guten Buch für mich klingt. Ich und etwas anderes als Lektüren mit Liebesgeschichten? Niemals! Wie sehr ich mich da nur getäuscht habe.

Zunächst überzeugt „Niemalswelt“ mit einem atemberaubend schönen Cover. Die intensiven Farben und vor allem die Veredlung in Wassertropfen-Optik zieht mich magisch an und ich kann nicht anders, als die tolle Aufmachung des Buches zu bestaunen. Zusätzlich verrät das Buch von außen her nicht viel über den Inhalt und ich war noch umso neugieriger darauf, herauszufinden, was die Geschichte für mich parat halten wird.

Der Einstieg ins Geschehen fiel mir leicht und es dauert auch nicht lange, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Zu Beginn lernt man Bee kennen, die Protagonistin, die auch das gesamte Buch über erzählt. Sie scheint recht anständig zu sein, ein normales Mädchen, doch gleichzeitig mischt sich in ihre Erzählstimme etwas Trostloses, sodass der Leser merkt, dass auch auf ihren Schultern etwas Schweres lasten muss. Folglich kommt irgendwann ans Licht, was für ein tragisches Ereignis sie und ihre Freunde auseinandergerissen hat, doch Bee ist von Natur aus sehr neugierig und so beschließt sie, endlich aufdecken zu müssen, wie ihr Freund Jim zu Tode gekommen ist.

Recht schnell trifft Bee auf ihre alten Freunde und als Leser lernt man mit einem Mal vier weitere interessante Persönlichkeiten kennen. Zu Beginn scheint jeder von ihnen recht normal, doch was Martha, Kipling, Cannon und Whitley verbergen, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen. Nachdem sie scheinbar nur knapp einem tragischen Autounfall entkommen, nur um zu erfahren, dass sie in einer Zeitschleife feststecken und bestimmen müssen, wer überlebt, hatte ich zum ersten Mal beim Lesen richtig Angst.

Psychothriller habe ich noch nie gelesen, und obwohl es mir mehr als einmal kalt den Rücken hinunterlief, war das Buch so fesselnd, dass meine Augen an den Seiten klebten und ich es in fast einem einzigen Tag ausgelesen hätte. Der Wächter, der die fünf Freunde während es gesamten Buches begleitet, wurde schnell zu meinem persönlichen Schreckensgespenst, aber auch die Thematik der Zeitschleife tat ihr Übriges. Natürlich ist die Handlung hier nur frei erfunden, aber sie scheint erschreckend echt, als würden tagtäglich mehrere Menschen in der Niemalswelt festsitzen und darüber entscheiden, wer überleben darf und wer nicht.

Eine Entscheidung dieser Art zu treffen ist alles andere als leicht, und das merkt auch Bee sehr schnell. Den Freunden wird klar, dass sie dem Mysterium um Jims Tod auf die Spur kommen müssen – plötzlich ist niemand mehr so unschuldig wie es anfangs schien und es gilt, herauszufinden, wer die Schuld an dem tragischen Ereignis hat. Bee ist dabei völlig davon überzeugt, niemandem etwas zu leide tun zu können und ist fest entschlossen, ihre Freunde zu entlarven, wobei ihr ihr eigener Kopf gerne Streiche spielt. Nichts ist wie es scheint und man fiebert von der ersten Seite bis zum letzten Wort mit, um sich endlich Klarheit zu verschaffen: wer ist schuldig?

Schnell entwickelt man als Leser eigene Theorien und auch mein Gehirn lief auf Hochtouren, doch ich fand es bis zum letzten Kapitel nicht heraus. Die fünf Charaktere haben alle die Absicht, selbst weiterleben zu dürfen, und so kann man niemandem vertrauen und interpretiert in jede Handlung des anderen etwas hinein. Ich habe diese Spannung kaum noch ausgehalten! Dazu kommt, dass ich nur erfahren habe, was auch Bee gesehen oder gehört hat. Es gab keine Perspektivwechsel und somit konnte ich mich keine einzige Sekunde lang in Sicherheit wiegen. Schnell wird deutlich, wie sehr man sich in anderen täuschen kann und was man alles tut um überleben zu können.

Es ist so leicht, die Hübsche zu hassen, das Genie zu verehren, für den Rockstar zu schwärmen, dem guten Mädchen zu vertrauen. Aber das ist nie ihre einzige Geschichte.

Marisha Pessl

Auch der Schreibstil der Autorin war atemberaubend fesselnd. Ich habe schon einmal auf Instagram versucht zu erklären, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe: Es kam mir so vor, als säße ich allein in meinem ganz persönlichen Kinosaal: mit 3D-Brille, aber ohne Popcorn. Die Geräusche waren so laut wie kreischende Krähen, die direkt an meinem Ohr vorbei geflogen sind; falls die Handlung im Wasser weiter ging, füllte sich der Kinosaal so weit, bis ich auf Mundhöhe im Wasser saß, und wenn gerade jemand irgendwo gefallen ist purzelte ich einmal Dank des Schleudersitzes durch den gesamten Raum. So etwas habe ich beim Lesen bis dato noch nie erlebt. Und es war ein unglaublich tolles und gleichzeitig beängstigendes Gefühl.


Mein Fazit

Wenn ihr ein Leseerlebnis erster Klasse sucht, solltet ihr zu „Niemalswelt“ von Marisha Pessl greifen. Das Buch überzeugt mit einem grandiosen Schreibstil, fesselnder Gedankenspielchen, düsterer Atmosphäre und der Suche nach der Wahrheit in einem verworrenen Durcheinander. Hier muss man auch mal durchatmen, vor allem, wenn man Bücher mit Thriller Elementen noch nie zuvor gelesen hat (so wie ich), aber es lohnt sich! das Buch gehört jetzt meinen Lieblingsbüchern und ich kann es jedem weiterempfehlen!


Meine Bewertung: 5/5⭐

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