Der letzte Wunsch | Rezension

Toss a coin to your witcher, oh valley of plenty…

Netflix: The Witcher

Informationen zum Buch

Titel: Der letzte Wunsch – Vorgeschichte 1 zur Hexer Saga | Autor: Andrzej Sapkowski | Genre: Fantasy | Verlag: dtv | Anzahl Seiten: 384 | Erscheinungsdatum: 24.1.2020 | ISBN: 978-3-423-26264-4| Preis: 16,00€ (Paperback)

Klappentext

Der Hexer Geralt von Riva verdient sein Geld mit Kämpfen gegen Ungeheuer aller Art. Über einen Mangel an Aufträgen kann er sich nicht beklagen, denn es gibt genügend Leute, die dringend Hilfe gegen Vampire, Drachen und andere dämonische Wesen brauchen. Als Geralt eines Tages einen Luftgeist befreit, schlägt ihn dieser mit der verhängnisvollen und quälenden Liebe zu der schönen Zauberin Yennefer. Und dann wird Geralts bester Freund schwer verletzt und braucht seine Hilfe…

Quelle: https://www.dtv.de/buch/andrzej-sapkowski-der-letzte-wunsch-26264/


Wenn ich das Buch mit 3 Worten beschreiben müsste…

derb

fantastisch

abenteuerlich


Meine Meinung

„Toss a coin to your Witcher, oh valley of plenty, oh valley of plenty…“

Na, wem kommen diese Worte bekannt vor? Wer hat jetzt auch direkt wieder einen Ohrwurm? Keine Sorge, ihr seid nicht allein. Bis vor Kurzem gab es den Hexer für mich immer nur auf dem Bildschirm – jetzt auch in Buchform!

Für alle, die das ganze Gequatsche hier nicht verstehen: gleich werdet ihr es. Im Dezember 2019 erreichte auch mich die Hype Welle: „The Witcher“, eine Serie um den grummeligen, tollen Hexer Geralt, erschien auf Netflix und löste einen Fangirlschrei nach dem anderen in jeglichen Communities aus. So ging auch ich auf Spurensuche und verfiel der Serie ab der ersten Minute. Vorlage für „The Witcher“ waren die gleichnamigen Spiele, die es für die PlayStation und meines Wissens nach inwzischen auch für die NintendoSwitch – und die Bücher. Ich glaube, ohne die Serie hätten junge Leser keine Beachtung mehr für die literarischen Werke von Andrzej Sapkowski übrig gehabt. Nun, mit der Neuauflage, sieht das anders aus.

Vorne weg möchte ich erklären, dass es sich bei „Der letzte Wunsch“ nicht um den richtigen ersten Band, sondern um den ersten Teil der Vorgeschichte der Hexer-Saga handelt. Mir wurde von mehreren Seiten zugetragen, dass es dringend notwendig ist, diesen zuerst zu lesen, um die richtige Hexer-Saga zu verstehen. Diese beginnt erst mit „Das Erbe der Elfen“!

Grundsätzlich möchte ich hier schon einmal festhalten: ich finde die Hexer Reihe richtig, richtig toll. Ich kann und werde nicht genug bekommen. Ich liebe die Welt, das komplexe Konstrukt der Wesen und Länder, die Ausarbeitung der eigensinnigen Charaktere und den Schreibstil. Dennoch alles der Reihe nach.

Andrzej schafft Charaktere, die man einfach lieben muss. So gegensätzlich, wie Geralt, der Protagonist, und sein anhänglicher Barde Rittersporn sind, so sehr muss man sie beide einfach ins Herz schließen. Während mich Rittersporns Leichtigkeit ansteckt, bin ich fasziniert von Geralts stillem und tiefgründigen Wesen. Er gibt sich sinngemäß „harte, widerstandslose Schale“ und offenbart dabei seinen vermeintlichen weichen Kern und teilt nicht viele seiner Gedanken mit dem Leser, was ihn in dieser Kombination noch geheimnisvoller und sympathischer macht. Betrachtet man die Handlung der Vorgeschichte, bringt diese nicht allzu viel Komplexität mit sich wie ein normales Fantasy Buch. Zwar muss man sich erst einmal in Sprache und Welt zurechtfinden, doch „Der letzte Wunsch“ zeichnet sich durch einen episodischen Handlunsstil aus. Kleine, einzelne Vorgeschichten von rund 50 Seiten bilden diesen Band und entwerfen Hand in Hand ein kleibes Gerüst, auf dem der baldige Handlunsverlauf in den „richtigen“ Büchern aufbauen kann.

Markant für das Buch sind Sprachstil und der Dialogaufbau. Andrzej Sapkowski spielt mit einer Prise gutem Humor und ziemlich derber Sprache, die den Dialogen Würze und Schnelligkeit verleihen. Gepaart mit eein weenig Brutalität, Geralts Wortknappheit und Rittersporns sprudelndem Sprachwasserfall weist das Buch im Hinblick auf den Schreibstil definitiv ein Alleinstellungsmerkmal auf, das mir sehr zugesagt hat. Zwar brauchte ich erst einmal gut 50 Seiten, um mich hineinzulesen, doch dann wurde es immer leichter zu verstehen und ich flog nur noch förmlich durch die Seiten.

Tatsächlich weiß ich nicht, ob ich das Buch so gut verstanden hätte, wenn ich nicht vorher die Serie gesehen hätte. Durch die Episoden auf dem Bildschirm hatte sich bei mir schon Vorwissen angelagert, doch ich glaube, dass der eine oder andere noch unwissende Leser viele Dinge für nichtssagend und zusammenhangslos gehalten hätte, da der Autor im ersten Vorgeschichtenband keine richtig ausführliche Charaktervorstellung mit eingebaut hat. So muss man vieles einfach als Tattsachen akzeptieren, ohne sie vorher erklärtt bekommen zu haben.

Leider muss ich sagen, dass ich mir damit, vorher die Serie gesehen zu haben, selbst ins Knie geschossen habe. Letztendlich beinhaltet „Der letzte Wunsch“ nämlich eines: den Hauptteil des Inhalts aus Staffel 1 von „The Witcher“. Nun hätte ich das vielleicht kommen sehen müssen. Hab ich irgendwie leider nicht, haha. Dadurch, dass mir so gut 95% des Inhalts bekannt waren, fehlte es mir an Spannung. Ich kannte den Ausgang einzelner Situationen, bevor diese im Buch überhaupt richtig ins Rollen gebracht wurden und hatte häufig Momente, in denen ich dachte „Ach, DAS kommt jetzt!“, was irgendwie nicht den gewünschten Effekt erzielte. Jetzt, im Nachhinein, sage ich mir selbst, dass es doch vielleicht ganz okay ist, wieder seicht in die Geschichte gebracht zu werden, um dann den nächsten Handlungsverlauf in den nächsten Bänden beobachten zu können. Das wird zumindest auf jeden Fall geschehen, schließlich habe ich die Buchreihe nicht umsonst begonnen – wenn die Serienfortsetztung erst in einem Jahr kommen soll, muss ich eben die Bücher weiterlesen!

Dass mir der Überraschungseffekt fehlte, ist keines falls des Buches zu Schulden zu kommen – das liegt allein an mir. Dennoch wirkt es sich leider negativ auf die Bewertung des Buches aus, aber ich möchte ja ehrlich sein und euch mein Leseerlebnis so schildern, wie es tatsächlich war.


Mein Fazit

Das Hexer-Universum hat mich wieder und ich kann es nicht abwarten, mich in die nächsten Bände zu stürzen! Der episodisch gestaltete Vorgeschichtenband gibt einem einen tollen Ausblick auf die Welt Dees Hexers Geralt und macht Lust, einen Band nach dem anderen zu lesen. Dennoch ist der Vorgeschichtenband nicht unbedingt den Lesern zu empfehlen, die bereits „The Witcher“ von Netflix kennen – dann wird die Spannung zumindest in diesem Buch erstmal ausbleiben, doch es kann auch nicht schaden, sich erstmal wieder in Geralt und seine Welt „reeinzulesen“, oder?


Meine Bewertung: 3,5/5 ⭐

2 Comments

  1. linesofbooksandcoffee

    Hallo Paula,
    Sehr schöne Rezi. Ich muss sagen, dass ich deiner Meinung zu „Der letzte Wunsch“ voll und ganz zustimme. Ich habe, wie du, die Serie im Dezember geschaut und bin auf den Hype-Train aufgesprungen. Im Februar habe ich dann endlich den Vorband in den Händen gehalten und war einerseits absolut fasziniert, aber auch ein wenig enttäuscht. Ich hatte auch so meine Schwierigkeiten mit den fehlenden Informationen über die Charaktere, die ich auch zum Glück bereits aus der Serie hatte. Letztendlich habe ich das Buch bei etwas mehr als der Hälfte abgebrochen. Vielleicht starte ich zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal den Versuch den Rest zu lesen.
    LG Susi

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    1. zwischenprinzenundbadboys

      Liebe Susi,

      entschuldige bitte meine späte Antwort auf deinen wundervollen Kommentar, es ist ziemlich viel los in letzter Zeit. Weißt du, ich habe während des Lesens auch überlegt, ob ich es abbrechen soll. Sowas tue ich sehr ungern, weshalb ich mich zum Weiterlesen aufgerafft habe. Letztendlich musste ich meine Perspektive für die Handlung nur ändern und mir sagen: dann kennst du das eben schon, Auffrischen schadet nie! Und so hat es mir dann viel mehr Spaß gemacht als vorher und ich freue mich schon dann bald den restlichen, neuen Handlungsverlauf kennen zu lernen. Vielleicht klappt es bei dir mit dem Ansatz auch besser.
      Liebe Grüße,
      Paula

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